Freitag, 30. Januar 2015

Buchempfehlung – Mechanik

Im Laufe der Zeit haben sich in meinem Schrank massenweise Bücher über Programmiersprachen, Algorithmen, Elektronik, Digitaltechnik, Mikcrocontroller etc. gesammelt. Manche sind gut, andere nicht und manche sind eine echte Offenbahrung (sich sage nur Paul Scherz' Practical Electronics for Inventors). Eine echte Schwachstelle in meiner Bibliothek ist hingegen das Thema Mechanik. Zwar finde ich jede Art mechanischer Konstruktion faszinierend und oft von großem ästhetischem Reiz, aber mangels Ahnung und geeignetem Werkzeug habe ich diesen Bereich bisher kaum wirklich beachtet und weiß irgendwie erschreckend wenig darüber. Das muss sich natürlich ändern, auch wenn ich noch nicht so genau sehe, ob und wie ich das je wirklich umsetzen kann. ;-)

Und so habe ich mich mal in der Mechanik-Ecke bei Amazon umgeschaut und bin auf ein echtes Schatzkästchen gestoßen: Das Illustrated Sourcebook of Mechanical Components von Robert O Parmley:



Ein dicker Wälzer von gut 1000 Seiten mit Phantastillionen von Abbildungen. Das Druckbild ist eher etwas altertümlich, aber dieser Schinken hat's echt in sich! Ich könnte stundenlang darin herumblättern und mir alle möglichen Getriebe, Hebelmechanismen, Lager, Verbindungen u.s.w. zu Gemüte führen. Hier ein paar Impressionen:







Natürlich gibt es auch Formeln und Graphen, aber die anschauliche Darstellung der grundlegenden Funktionsweise und der Eigenschaften verschiedener Bauformen steht klar im Vordergrund. Aber genau das ist die Stärke dieses Buchs: Es ist eine Art Atlas der mechanischen Konstruktion und kein gewöhnliches Lehrbuch für Maschinenbauer. Als solches ist es auch eine super Quelle für ambitionierte Maker, denn viele der Details, die für den professionellen Ingenieur essentiell sind spielen keine große Rolle, wenn man im Keller einen Roboter oder etwas ähnliches bauen will und wenn man doch an diesen Punkt kommt gibt es wie gesagt ja endlos viel geeignete Literatur. Wer Making things move von Dustyn Robert gut fand wird dieses lieben! Das Sourcebook hilft dabei, schnell Inspiration zu finden. Fünf Sterne von mir!

Freitag, 26. Dezember 2014

Useless Box

Es ist mal wieder Weihnachten – und wenn man Gänsebraten, Verwandtschaft und Weihnachtsliederfolter überstanden hat kommt die Zeit in der man traditionell den Lötkolben erwärmt. Typischerweise lege ich mir dazu im Vorfeld schon mal ein paar Bastelteile zurecht. Dieses Jahr kommt etwas Besonderes hinzu: Meine Mitarbeiter* haben mir zu Weihnachten etwas echt tolles geschenkt: ein Useless Box Kit!
Heute habe ich es in Angriff genommen. Aus der Tüte kamen eine Menge lasergeschnittene Teile für die Box, ein Motor, diverse Scharniere, eine kleine Platine, zwei Schalter, ein Batteriehalter und jede Menge Schräubchen, Muttern etc.:


Die Strukturteile sehen zunächst aus, als wären sie aus Sperrholz, aber das täuscht, denn es handelt sich um schwarzes Acryl. Das Braune ist nur die Schutzfolie:
Auch der Hebel, der am Ende den Schalter betätigt ist lasergeschnitten und ist hier schon auf den Motor montiert, verkabelt und angeschlossen:

Jetzt kann man das Ganze bereits einem kleinen Funktionstest unterziehen und nachdem dieser positiv ausgefallen ist kann es mit dem Bau der Box weitergehen. Hier sind die Seitenteile schon mal ausgelegt und die Scharniere montiert:
Die Motor-Assembly inklusive Endschalter sind eingebaut und die Funktionsweise gut zu erkennen:
Ein paar Seitenwände und Schrauben später kann man die Box schon gut erkennen – nur die Deckel fehlen noch:
Nachdem auch diese montiert waren habe ich dann alle Schrauben der Box nochmal etwas gelockert, das Ganze sauber ausgerichtet, damit nichts klemmt und die Schrauben kreuzweise wieder festgezogen. Nun noch etwas Teflon-Spray auf die Scharniere, Box schön blank putzen – fertig.
Zeit die Box zu testen:
Nein – ich hatte nicht zu viel Glühwein getrunken, als ich das Video gedreht habe. Es ist nur nicht so einfach, den Schalter zu treffen, wenn man gleichzeitig versucht, das Geschehen im Monitor der Kamera im Auge zu behalten. Nächstes mal nehme ich ein Stativ... Und im Original sah das Video auch nicht aus, als wäre es mit der Kamera eines Handys aus den Neunzigern aufgenommen worden. Scheinbar komprimiert Blogger die Videos recht aggressiv.


* Ganz vielen Dank an Ivonne, Sindy, Britta, Eric und Jakob! Ihr seid das beste Team der Welt!

Montag, 22. Dezember 2014

Schweißkurs

Am Samstag war ich auf einem Schweißkurs – hat sehr viel Spaß gemacht. Konkret war ich in München bei der Firma Merkle. Die bauen natürlich diverse Schweißgeräte und daneben kann man bei denen auch lernen mit selbigen umzugehen. Nun gibt es ja einen Haufen verschiedener Methoden zu Schweißen – Elektrode, Autogen, MIG/MAG, WIG und diverse exotische Verfahren – und so musste ich mich entscheiden, was sich probieren will. Nach einiger Recherche erschien mir MIG/MAG am geeignetsten zum Anfangen und am vielseitigsten. Gesagt, getan: Auf in den MAG Kurs.

Um 8:00 Uhr ging es los, zunächst mit guten 2,5 Stunden Theorie, im Anschluss wurde dann gebrutzelt, was das Zeug hielt. Die Theorie fand ich ein bisschen zäh, aber das konkrete Üben mit Anleitung war echt toll. Insgesamt 5 Teilnehmer waren da und wir hatten 3 Schweißplätze zur Verfügung, so dass jeder viel zum Zug kam. Und so haben wir etliche Kilo Stahlplatten in diversen Konfigurationen zusammengefügt, mal ein paar Löcher in die dünneren gebrannt (natürlich mit Absicht ist ja klar ;-) ).

Der Einzige Nachteil sind wohl die Folgekosten: ICH BRAUCH UNBEDINGT EIN SCHWEISSGERÄT!

Literatur Tipps

Merkle bietet leider keine Anleitungen o.ä. zum Download an – jedenfalls habe ich nichts gefunden. Andererseits gibt es von Merkle diverse gute Videos auf YouTube. Beim Konkurrenten EWM gibt es das Schweißlexikon, das in knapper Form eine Menge nützlicher Hinweise zu E-, MIG/MAG- und WIG-Schweißen bietet. Ich finde, das ist eine gute Ergänzung zu den diversen Videos, die es im Internet gibt und sehr nett zur Vor- und Nachbereitung eines Schweißkurses.
Außerdem wollte ich ein richtiges Buch haben. Zunächst habe ich auf Deutsch gesucht. Zwar gibt es zahlreiche Schweißbücher auf Deutsch, aber scheinbar richten sie sich alle ausschließlich an Azubis oder Ingenieure und die Autoren scheinen eine Übereinkunft getroffen zu haben, dass ein ordentliches deutsches Fachbuch gefälligst eintönig, farblos, trocken, teuer und vollkommen freudlos zu sein hat. Wo kämen wir auch hin, wenn Azubis am Ende Spaß an der Ausbildung bekämen oder gar diese suspekten Hobbybastler sich erdreisten wollten, das geheime Wissen der meisterprüfungsgeschützten IHK Gefilde ergründen zu wollen. Also auf zu unseren vielgeschmähten amerikanischen Freunden - die haben zwar zugegebenermaßen eine Menge Pfuscher, die sich Handwerker nennen, aber dafür gibt es dort auch eine funktionierende Gemeinschaft von semiprofessionellen Heimwerkern – und entsprechend gute Literatur. Ich habe mir nun also das Buch DIY welding von Jackson Morley besorgt und lese es nun mit Genuss.

Samstag, 29. November 2014

Weihnachtstipp

Ich bin grad im 3D-Drucker Fieber! Zwar hab ich noch keinen, aber das soll sich bald ändern, weil die beste Ehefrau der Welt mir einen zum Geburtstag+Weihnachten schenkt. Angeblich soll er bald geliefert werden und ich kann es kaum erwarten. Und um die Vorfreude zu steigern verbringe ich jede freie Minute auf 3D-Druck Seiten und träume davon, was ich alles mit dem Teil anstelle :-)

Und so nebenbei habe ich gerade entdeckt, dass es aktuell ein Schnäppchen gibt: Tchibo bietet gerade einen Up! Mini PP3DP für 499€ an. Das ist zwar kein top of the line 3D Drucker, aber sehr günstig ist das schon. Wollte ich nur mal kurz mit der Welt teilen...

So – nun träume ich weiter von meinem Gerät, das ich hier natürlich vorstellen werde, sobald es da ist.

Dienstag, 25. November 2014

Radiosonden-Autopsie

Das Mystery-Objekt aus dem vorigen Post ist eine Radiosonde – d.h. das Ding, das unten an einem Wetterballon hängt. Also eine Art fliegender Wetterstation mit Sendefunktion. Nun wird sich der geneigte Leser fragen, ob man so eine Sonde einfach behalten darf, wenn man sie findet. Die Antwort lautet "kommt drauf an". Diese Sonde hatte z.B. einen Beipackzettel huckepack dabei – und der fordert den Finder auf, die Sonde sachgerecht zu entsorgen und nur im Zweifel zurück zu schicken:

Also alles im grünen Bereich.

Aber zurück zu unserem Wundergerät: Die konkrete Sonde, um die es hier geht ist eine Vaisala RS92-SGPD. Was kann das Ding nun? Hier eine Liste der Features, die ich dem Datenblatt des Herstellers entnommen habe:
  • Messung von 
    • Luftdruck: 3-1080 hPa (0.1 hPa Auflösung, 1hPa Genauigkeit)
    • Temperatur: -90 bis +60°C (0.1 °C Auflösung, 0.5°C Genauigkeit)
    • Luftfeuchtigkeit: 0 bis 100 %Relative Luftfeuchtigkeit (1% Auflösung, 5% Genauigkeit)
  • 12 Kanal GPS Receiver: 10/20m Ungenauigkeit (horizontal/vertikal)
  • Spannungsversorgung: 9V (hier durch 6 AA-Zellen)
  • Digitale Datenübermittlung im 400MHz Band
    60mW Sendeleistung; 2400 bit/s
  • Messzyklus: 1s
Ein Handbuch gibt es ebenfalls zum Download. Aber hier erst nochmal ein Bild inklusive Beschriftung:


Nun muss erstmal das Gehäuse runter, damit wir einen Blick ins Innenleben werfen können. Zunächst kam der Battery-Pack zum Vorschein:


Also den nächsten Deckel abmachen und nun sehen wir schon etwas mehr vom Innenleben:

Nun noch den rückseitigen Deckel abmachen. Zunächst gab es wenig zu sehen, weil ein großer HF-Blechdeckel drüber war. Da hat sich dann die Leistungsstarke Lötstation bezahlt gemacht – mit dem alten Elektroniklötkolben hätte ich die dicken Lötstellen nicht lösen können, aber mit der dicken Weller ging's wie Butter. Unter dem großen Deckel kamen dann weitere Bleckdeckel zum Vorschein. Der obere ging gut weg, vor dem zweiten musste ich kapitulieren – der war komplett drumrum verlötet, das schafft auch die Lötstation oder die Heißluftstation nicht so ohne weiteres. Im Wesentlichen habe ich darunter einen Haufen SMD Kram gefunden und ein paar Vaisala Custom Chips, so dass ich auf diesem Weg nicht wirklich viel über die Funktionsweise in Erfahrung bringen konnte.


Soviel erstmal für heute. Als nächstes werde ich mal sehen, ob ich was über die Kommunikationsschnittstelle herausfinden kann. Wenn was dabei rauskommt werde ich hier berichten. Auch wäre es natürlich cool, wenn es gelänge, das gerät neu zu programmieren, oder zumindest mit ihm zu reden. So könnte man den vermutlich sehr leistungsstarken GPS-Empfänger nutzen und auf die Sensordaten zugreifen. Ob das geht? Keine Ahnung - ich werde versuchen es herauszufinden.

Montag, 24. November 2014

Bilderrätsel

Heute habe ich seit langem mal wieder ein Bilderrätsel. Das Objekt habe ich von einem Freund geschenkt bekommen, der es gefunden hat und sich gleich dachte, dass ich mich dafür interessieren würde.

 

Tipps werden in der Kommentarbox angenommen. Und sobald ich etwas Zeit habe, gibt's einen ausführlichen Teardown.

Sonntag, 16. November 2014

DIY DECT Headset

Manchmal klingelt das Telefon, wenn ich eigentlich beschäftigt bin – kochen oder sowas. Natürlich will ich den Anrufer nicht abwürgen und oft wäre es geradezu nett, ein wenig zu plaudern während man Gemüse schnibbelt. Da wäre es doch praktisch, ein Headset am Telefon zu haben. Aber leider ist es bei DECT Telefonen, im Gegensatz zu Handies, nicht so üblich, eine Buchse fürs Headset einzubauen. Natürlich gibt es entsprechende DECT Headsets zu kaufen, aber ich fand sie bisher immer zu teuer, um mir wirklich eins anzuschaffen. Wie es der Zufall so will, hatten wir gerade beschlossen, neue Telefone anzuschaffen, weil bei vielen der inzwischen recht betagten Gigasets der Akku nicht mehr wirklich lange hielt und so war ich dabei, vier von den Dingern zu entsorgen. zwei davon haben allerdings normale AAA Zellen, so dass ich sie doch erstmal behalten habe. Und irgendwie kam mir dann die Sache mit dem Headset wieder in den Kopf. Das kann doch nicht so schwierig sein, ein normales Headset an so ein Telefon anzuschließen – oder?

Also erstmal ein Headset besorgt. Ist ein Microsoft LifeChat LX-2000, das ich beim Elektronikmarkt mit dem Planetennamen für ca. 20 € bekommen habe. Der Plan war, den mini-Lausprecher und das Mikro aus dem Telefon rauszubauen und stattdessen das Headset anzulöten. Also erstmal Akku raus und aufschrauben – äh – keine Schrauben! Wieder so ein geclipstes Mistding! Einige nicht jugendfreie Flüche und viel verkrampftes Spudger-Gefummel später war es endlich offen und es ist nur ganz wenig abgebrochen ...

Das Headset hatte zwei Klinkenstecker, je einen für Mikro und Kopfhörer. Also Stecker abzwicken und Kabel abisolieren. Zum Vorschein kam eine rote, eine grüne und eine Kupferfarbene Ader. Rot und grün sind wohl rechts und links, das neutrale ist Masse. Also rot und grün zusammengelötet  und das neutrale verzinnt. Beim Mikro simpel: zwei Adern, wie zu erwarten.

Entfernen der Hörmuschel am Telefon war leicht: die war nur mittels Federkontakten verbunden. Beim Mikro sah es eher nach Auslöten aus, aber nachdem ich nicht rausbekommen hab, wie man die Platine aus der Schale bekommt, habe ich es einfach abgebrochen – war ein Klacks ;-)

Als nächstes die Kopfhöreranschüsse auflöten:

 Dann die Mikro-Seite:
Ein bisschen Plastikschale umgestalten, Kabel schön verlegen, ordentlich Heißkleber drauf – fertig!
Noch ein bisschen was an der oberen Schale wegzwicken und schon ging das Ganze auch wieder einigermaßen zu.

Akku schnell aufgeladen und ausprobieren – Spannung, Trommelwirbel, Tusch: ich kann's kaum fassen – es geht! Und zwar richtig gut! Da das Headset sogar einen Lautstärkeregler hat, ist das Ganze echt komfortabel. Ich bin entzückt...

Das einzige, was fehlt ist ein Gürtelclip oder sowas – da muss ich wohl noch was improvisieren. 3D-Drucker, wo bist Du???