Posts mit dem Label Repair werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Repair werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. Juli 2016

Verflixter Wasserhahn

Grumpf!

Als ich neulich den Katzennapf auswaschen wollte hatte der Wasserhahn eine Überraschung für mich parat: Schwungvoll, wie immer drehte ich den Hahn auf und genauso schwungvoll schoss mir der Kopf des Auslaufs samt Perlator entgegen – dicht gefolgt von jeder Menge Wasser. Genau in mein Richtung. Dabei wollte ich nicht duschen, sondern nur den Napf spülen! Megagrumpf! Wie kann das passieren? Ganz einfach: Am Auslauf hat der Hahn ein drehbares Element, damit man sich leichter tut das Spülbecken zu säubern:
Bisher hatte ich mich nie gefragt, wie dieses drehbare Element sich eigentlich am Auslauf festhält.  Aus gegebenem Anlass interessiert mich die Frage nun. Wie man sieht, sind da zunächst mal zwei Dichtungsringe, damit nix tropft, aber darüber hinaus findet sich ein weißer Plastikring. Letzterer presst sich in eine Vertiefung im Auslauf und fixiert das Ganze:
Und genau dieser Ring ist einigermaßen abgenutzt, weswegen mich der Auslauf so freudig angesprungen hat. Also erstmal ausbauen und genauer studieren:

3D-Drucker zu Hilfe


Wozu habe ich einen 3D-Drucker? Das Teil muss man doch leicht duplizieren können. Also habe ich alles vermessen und die Form so gut es ging nachmodelliert:





Schnell musste ich jedoch feststellen, dass das nicht so der Königsweg war: PLA ist ein echt ein sprödes Zeug und nicht so toll für den Job geeignet. Besser ABS oder Nylon?  Vor allem aber kamen diese Submillimeter-Strukturen des Rings in der Praxis nicht gut raus. Aber braucht man die echt? Eigentlich muss der Ring sich doch nur in die passende Rille pressen und die genaue Form sollte ziemlich wurscht sein – oder?

Low-Tech Ansatz

Also mal weg von High-Tech Lösungen und kurz nachgedacht. Wenn man einfach ein Stück Nylon oder anderes Plastik mit geeigneten Maßen hätte... Zuerst dachte ich daran, ein Plastikrohr mit passendem Durchmesser zu finden und einen Ring abzusägen. Aber dann probierte ich erstmal was viel simpleres: Nylonfilament. Und das gibt's im Baumarkt, Gartencenter oder auf Ebay für kleines Geld – nur heißt es dort nicht Filament, sondern Mähfaden oder Trimmerschnur. Also dieser Faden, den eine Motorsense mit einem Affenzahn im Kreis schleudert, um wucherndes Gras und andere Gewächse in die Schranken zu weisen. In meinem Fall brauchte ich eines mit ca. 2mm Durchmesser. Auf Ebay habe ich für ein paar Euro 25 Meter davon gefunden:

Das ist genug um die Wasserhähne einer mittleren Stadt zu reparieren. 2mm sind etwas mehr, als der original-Ring hatte, d.h. man muss den Faden mit etwas Gewalt in die Rille pressen. Das ist jedoch ganz praktisch, denn so hält das Ganze ohne Klebstoff oder irgendwelche Verrenkungen:

Noch ein bisschen Silikonfett drauf (aber nur auf die schwarzen Dichtungsringe, sonst hält das nicht!) und mit etwas Nachdruck in den Auslauf drücken.
Und siehe da: Wasserhahn repariert. Anfangs war der Auslauf noch etwas schwergängig zu drehen, aber nach einer Weile hatte sich der Plastikfaden offenbar gut eingeschliffen und das Ganze fühlt sich an, wie neu.


Freitag, 6. September 2013

Defekte USB-Festplatte heilmachen

Heute habe ich mal wieder eine kleine Repair Story. Ein Bekannter hat mir eine defekte Samsung USB-Festplatte gegeben damit ich mal schaue, ob sie noch zu reparieren ist bzw. die Daten zu retten sind.

Schon von außen konnte man das Problem schnell erkennen: die mini USB Buchse war abgerissen und zwar gründlich – die seitlichen Lötstellen hatten die Massefläche mitgenommen und die Pins hingen krumm und schief ohne Gehäuse mehr oder weniger lose an ihren Lötstellen bzw. waren komplett abgebrochen. Das wird eine leichte Datenrettung dachte ich mir. Einfach die Platte aus dem USB Gehäuse nehmen, über SATA anschließen, Daten rüberziehen und ggf. ein neues USB-Gehäuse empfehlen – falsch gedacht! Meine Überraschung war nicht gering, als ich das Gehäuse geöffnet hatte: Da war kein SATA Anschluss – diese Platte hat wirklich selbst einen USB-Anschluss – direkt auf der Platine. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen. Also doch versuchen, die abgerissenen USB-Buchse zu ersetzen. Als erstes habe ich mir mal eine neue Buchse besorgt, denn die abgerissene war definitv hinüber, so dass an wieder anlöten nicht zu denken war. Hier zunächst mal ein Bild der Unfallstelle:
Das sieht echt übel aus – oder? Als erstes habe ich mal die Platine ausgebaut, um vernünftig an den Operationsbereich heranzukommen und die Pin-Reste abgelötet, das Ganze etwas entfettet etc.
Und hier mein Reparatur-Zubehör – neue Buchse und Kraftkleber:
Also erstmal mit gaaaaanz wenig Lötzinn, einem Schluck Flussmittel und ruhiger Hand die neue Buchse auflöten. Echt fummelig! Und wirklich stabil ist das auch nicht, denn normalerweise wird so eine Buchse von den 4 Masse-Lötaugen gehalten. Und da die Massepads ja weg sind geht das nicht mehr, was zudem zur interessanten Frage führt, wie ich da wieder Masse drauf bekomme.
Letztlich habe ich mit Skalpell und Glasfaserradierer ein Stück Massefläche in der Nähe freigelegt und mit einem echt hässlichen Lötzinn-Blob angeschlossen.
Platine wieder einbauen und nun kommt also der spannende Moment! Gaaanz vorsichtig ein USB-Kabel anstecken, möglichst ohne diese fragile Buchsenkonstruktion gleich wieder abzureißen, an den Computer anschließen und hoffen, dass dessen USB-Schnittstelle nun nicht gebraten wird. Also sicherheitshalber über einen billigen USB-Hub...
Und siehe da – die Platte meldet sich!

[12023260.948923] usb 1-1.3: new high-speed USB device number 33 using ehci_hcd
[12023261.045519] usb 1-1.3: New USB device found, idVendor=04e8, idProduct=1f0a
[12023261.045529] usb 1-1.3: New USB device strings: Mfr=1, Product=11, SerialNumber=3
[12023261.045537] usb 1-1.3: Product: Samsung S2 Portable
[12023261.045543] usb 1-1.3: Manufacturer: JMicron
[12023261.045549] usb 1-1.3: SerialNumber: 00000011E09310500334
[12023261.046516] scsi7 : usb-storage 1-1.3:1.0
[12023262.082143] scsi 7:0:0:0: Direct-Access Samsung S2 Portable 2AR1 PQ: 0 ANSI: 2 CCS
[12023262.083804] sd 7:0:0:0: Attached scsi generic sg3 type 0
[12023262.084619] sd 7:0:0:0: [sdc] 1953524736 512-byte logical blocks: (1.00 TB/931 GiB)
[12023262.085358] sd 7:0:0:0: [sdc] Write Protect is off
[12023262.085366] sd 7:0:0:0: [sdc] Mode Sense: 28 00 00 00
[12023262.086136] sd 7:0:0:0: [sdc] No Caching mode page present
[12023262.086148] sd 7:0:0:0: [sdc] Assuming drive cache: write through
[12023262.089373] sd 7:0:0:0: [sdc] No Caching mode page present
[12023262.089383] sd 7:0:0:0: [sdc] Assuming drive cache: write through
[12023262.120260]  sdc: sdc1
[12023262.123727] sd 7:0:0:0: [sdc] No Caching mode page present
[12023262.123737] sd 7:0:0:0: [sdc] Assuming drive cache: write through
[12023262.123745] sd 7:0:0:0: [sdc] Attached SCSI disk


Und auch die hübsche blaue Aktivitäts-LED flackert beim Zugriff fröhlich vor sich hin:

Hab die prekäre Buchse ordentlich mit dem Kraftkleber umschmiert. Für den Alltagseinsatz wird das sicher nie mehr was, aber zumindest kann man nun in Ruhe die Daten kopieren.

Samstag, 31. August 2013

HP95LX frisch aus der Bucht

Ebay Beute reparieren

Ich sammle HP Taschenrechner. Ich weiß – nerdiger gehts nicht mehr, aber ich liebe die Dinger. Und vor kurzem habe ich in der Bucht ein Schnäppchen gemacht: ein HP95LX:

OK – eigentlich ist das kein Taschenrechner, sondern ein Taschencomputer, aber cool ist er trotzdem. Baujahr ca. 1991, Läuft unter DOS, hat unglaubliche 1MB RAM und ein mitgeliefertes Lotus123, sowie eine HP Taschenrechner Applikation. Wer kann da widerstehen frage ich!

Er ist in sehr gutem Zustand und funktioniert perfekt. Aber leider behauptete er auch nach einsetzen funkelnaglneuer Batterien, dass diese nicht mehr voll seien und auch der Batteriestandgraph zeigt es:
Hm - was ist da los? Ein bisschen Recherche brachte zu Tage, dass das "Low battery syndrom" eine typische Krankheit des HP95LX ist. Zahlreiche Posts handeln davon und empfehlen alle möglichen Batteriebeschwörungen: von Reboot, über das Schließen bestimmter Programme bis hin zu magischen Ritualen. Hat aber alles nix gebracht. Schließlich fand ich eine Seite, die die tatsächliche Erklärung inklusive Fix enthielt: Es gibt da einen 0.1µF Tantalkondenstor, der gerne mal den Geist aufgibt und gewechselt werden muss. Also Gerät zerlegt und auf Kondensatorsuche:
Der Schuldige ist der kleine Gelbe SMD Kondensator über dem Mintfarbenen Bauteil. Freundlicherweise ein Standardbauteil, das ich bei Völkner für sage und schreibe 24 Cent bekommen habe. Naja eigentlich 1,20 € wegen Mindestbestellmenge von 5 Stück. Aber dank Versandflatrate trotzdem billig :-)
Gesagt – getausch. Hier der Neue – noch feucht vom Flussmittel:

Und schon passt auch die Batterieanzeige wieder:

Mikroprojekt fertig! Endlich mal wieder was gebastelt, auch wenns nur eine Kleinigkeit war :-))

Nachtrag

Was mir übrigens noch aufgefallen ist: In meinem Rechner ist der Kondensator exakt andersrum eingelötet, als auf den Bildern der Website auf der ich die Lösung fand. Seltsam – verkehrte Polung?

Samstag, 26. Januar 2013

Schachcomputer Reparatur

Nach langer Bloggingpause gebe ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Einen konkreten Anlass gibt es auch: Ich habe ein tolles neues Spielzeug geschenkt bekommen – einen alten Schachcomputer (Danke Kathi&Josef)! Inklusive großem Magnetsensor Holzschachbrett, Figuren, Computermodul und zwei Programm-Modulen (ESBII und Mephisto II). Vermutlich ist es ein Mephisto ESB II. Baujahr dürfte so Anfang/Mitte der Achziger liegen. Hier ein paar Impressionen:


 

Einschalttest

Leider hatte sich das Netzteil nicht gleich gefunden, so dass wir hier zuerstmal ein wenig Spannungsversorgunsraten spielen müssen. Das Handbuch schweigt sich dazu leider aus. Im Netz habe ich zumindest für das Grundmodul was gefunden, allerdings war mal von 6.5V DC und mal von 8.5V AC die Rede. Ich nehme an DC dürfte es tun – immerhin kann man das Grundgerät auch mit 4 AA Zellen betreiben. Mit einem Baumarkt-Steckernetzteil habe ich das Ding bei 9V in äußerlich zufriedenem Zustand. 6V schienen nicht zu reichen und 7.5 führten zwar zu Funktion, aber extrem müde glimmenden LEDs – also 9V. Nun leuchtet die grüne LED in der Ecke und zwei Rote blinken fröhlich. Hm – was mag das heißen? Also schreiten wir zum Äußersten: Blick in die Anleitung werfen. OK, das ist normal. Das Ding will uns sagen, dass wir nun die Figuren aufstellen sollen. Gesagt, getan und hier sind sie:

Aber hoppla – was will mir die LED bei H4 sagen?

 

Diagnostik

Laut Anleitung sollten nur dort LEDs blinken, wo die Aufstellung noch fehlerhaft ist. Und im Großen und Ganzen war das auch so – fehlt noch eine Figur, blinkt es dort (nach jedem Reset). Und wenn ich eine Figur mitten aufs Brett stelle blinkt es dort auch – weil es leer sein sollte. Also glaubt der Compi wohl, da stünde eine Figur. Bevor wir aber zum Werkzeug greifen erstmal ein systematischer Test. Mit der "List" Taste kann man eine Stellungskontrolle durchführen. D.h. nach jedem Tastendruck wird auf dem Display und per LED angezeigt, welche Figuren sich nach Meinung des Computers wo befinden (bzw. sollten). Auch hier das gleiche Bild: H4 ist mit einer dem Compi unbekannten Figur besetzt.

Nächster Test: Alle Felder rund um H4 mit Figuren bestücken uns sehen, ob er sie detektiert. Ja, tut er. Hier z.B. für G3:

Habe dann noch systematisch alle Felder getestet, die nichts enthalten sollten und bis auf H4 gab es keine weiteren Probleme. Die akustische Prüfung hat auch nicht viel gebracht: Für alle Felder hört man ein sehr leises klick wenn man die Figur vom Feld entfernt. Bei H4 scheint es auch zu gehen, wenn ich auch den Eindruck habe, dass es erst ab dem 3. Versuch wirklich hörbar wurde - kann aber auch Einbildung sein. Wie auch immer – Diagnose: defekter Reed-Kontakt.

Frisch ans Werk

Die Bodenplatte wird nur von ein paar Holzschrauben gehalten, die waren schnell entfernt. Nun kann man die Schublade herausnehmen und ein weiteres Abdeckbrett entfernen, so dass man freie Sicht auf die Unterseite der Platine bekommt:



Und 16 Schäubchen später dürfen wir die Oberseite bewundern:




Überraschung: da sind je zwei Reedkontakte pro Feld! Das hätte ich nicht erwartet. Zudem sind sie parallel geschaltet. Soll das sicherstellen, dass auch leicht verschobene Figuren erkannt werden? Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich alle 64 durchgemessen und alle waren offen – außer H4.
Und weil ich (a) ein Glückspilz bin und (b) alles kaufe/horte, das mal zu einer Bastelei gut sein könnte und nicht viel kostet habe ich tatsächlich Reedkontakte da! Ja, Judith – die sind wirklich mal zu was gut!  :-))))
Nach eingehender visueller Inspektion war ich mir 100% sicher, welcher der beiden Kontakte hängt und getauscht werden muss. Also raus damit, nachmessen, den anderen auslöten und den ersten sowie einen neuen wieder rein. Alles zusammenbauen und – Trommelwirbel – es geht wieder!
Hier zum Beweis ein kleines Probespiel (nicht lachen, waren nur mehr oder weniger zufällig Züge, zum Testen):

Alles was jetzt noch fehlt ist eine kleine Politur mit Öl oder anderer Holzpflege und dann ist er wie neu! Die nächste Herausforderung besteht nun darin das Ding wenigsten einmal in die Knie zu zwingen. Ich bin nämliche kein so begnadeter Schachspieler. Oder vielleicht könnte man einen Roboterarm bauen, der z.B. GNUchess gegen den Mephisto antreten lassen kann? Reizvoll, aber nicht heute...