Dienstag, 12. Januar 2016

Heal your cat with Python

Ich habe drei Katzen, Kater um genau zu sein: Max, Dima und Filou. Alle total verrückt, jeder auf seine Weise. Einer davon hat ein Problem. Filou haben wir als kleines Katerchen mit nichtmal einem Kilo von einer lokalen Tierschutzorganisation bekommen. Die Pflegefamilie hatte ihn mühsam mit der Flasche aufgezogen, nachdem er im Alter von wenigen Wochen allein im Wald gefunden worden war. Inzwischen hat er sich sehr gut gemacht und ist total wild. Ein Problem hat er aber bisher behalten: Er hat einen sehr ausgeprägten Gastro-Ösophagealen Reflux – auf Deutsch Sodbrennen. Das hat ihm von Anfang an große Probleme bereitet und  er wollte eigentlich immer nur ganz aufrecht sitzen, damit nichts hochkommt. Zum Glück kann man sowas sehr effektiv behandeln – mit Omeprazol, das die Säureproduktion im Magen blockiert. Macht man auch beim Menschen so. Da gibt es nur ein kleines Problem: Omeprazol kommt in recht großen säurefesten Kapseln (damit der Wirkstoff nicht im Magen kaputt geht) und Katzen nehmen freiwillig keine Tabletten. Zudem  wären die Kapseln für so einen kleinen Kater viel zu hoch dosiert.

Dosisanpassung

Nun gibt es Omeprazolkapseln, die man öffnen darf, weil die darin enthaltenen Wirkstoffkügelchen (nein keine Globuli, sondern richtige Medizin) selbst einen säurefesten Überzug haben. Das ist v.a. für Kinder gedacht, die die Kapseln nicht nehmen wollen. Denen  mischt man das dann in Apfelmus oder so. Sollte doch auch bei Katzen gehen, nur eben mit Hühnermus statt Apfelmus ;-)

Aber wieviele Kügelchen braucht er? Simpel: eine Kapsel enthält 20mg Omeprazol. Die korrekte Dosierung ist 1mg Omeprazol pro kg Körpergewicht. Der Kater wiegt momentan 2.4kg. Also braucht er 2.4mg. Aber wievielen Kügelchen entspricht das? Na das ist doch einfach - ich muss ja nur die 20mg durch die Anzahl der Kügelchen pro Kapsel teilen und schon weiß ich wieviel Wirkstoff ein Kügelchen enthält. Gesagt getan. Kapsel aufmachen und Inhalt ausschütten:
Hm – das sind aber viele!

Um ein zuverlässiges Bild zu erhalten sollte man zudem eine Handvoll Kapseln öffnen und auszählen. Hab ich Lust diese Sisyphosarbeit zu machen? Nö. Und wie man von Larry Wall weiß, sind die drei Tugenden des Programmierers Faulheit, Ungeduld und Hybris. In diesem Fall also Faulheit – also die Eigenschaft die einen dazu antreibt, Programme zu schreiben, die einem die Arbeit abnehmen.

Bildanalyse

Statt selber zählen lieber zählen lassen! Also Kapsel aufmachen und den Inhalt auf schwarzen Karton entleeren (s.o.), Foto schießen, nächste Kapsel. Sechs Kapseln habe ich so dokumentiert. Das sollte reichen um ausreichend genau zu sein.

Nun erstmal den Kontrast anheben, damit das Kügelchenzählen einfacher wird. Dazu habe ich imagemagick verwendet:

   convert -threshold 30% pic1.jpg pic1-hicontrast.jpg

Das sieht dann so aus:


Zum Zählen habe ich ein kleines Python Skript geschrieben, das das scikit-image Modul verwendet und das geht so:

  from skimage import data, io, color, feature
 

  image = io.imread(imagename)
  image_gray = color.rgb2gray(image)
  blobs = feature.blob_dog(image_gray, min_sigma=5, max_sigma=10, threshold=.5)
  print len(blobs[:,2])


Im Wesentlichen ist der Code aus der Doku für die Feature detection geklaut. Im echten Skript ist dann auch noch ein bisschen Code drin, der das Bild mit Markierungen der detektierten Features überlagert, damit man das Ergebniss visuell kontrollieren kann. Das habe ich genutzt, um per trial and error die besten Werte für min_sigma und max_sigma zu finden:


Das Bild ist in Falschfarben: Blau ist der Hintergrund, rot die hellen Bildelemente und die grünen Kringel markieren detektierte Features. Passt hier schon perfekt.

Nach ein klein wenig herumprobieren lief es problemlos und hat die folgenden Counts geliefert;

Kapsel 1: 230
Kapsel 2: 233
Kapsel 3: 234
Kapsel 4: 243
Kapsel 5: 236
Kapsel 6: 244

Im Mittel also 236.6 Kügelchen pro Kapsel. Also enthält jedes Kügelchen 20mg/236.6 = 0.085mg. Der Kater braucht also 2.4 / 0.085 = 28 Kügelchen am Tag. Jetzt muss ich nur noch einen automatischen Kügelchensortierer konstruieren...

Der Kater ist nun sehr zufrieden...

... und widmet sich intensiv seinen Hobbies:


Montag, 11. Januar 2016

Freitag, 8. Januar 2016

Defektes Laptopnetzteil

Als ich neulich mein Laptop einschaltete tat es plötzlich einen Knall und das Laptop signalisierte, dass es nun auf Batterie läuft. Kurz - das Netzteil hatte den Geist aufgegeben. Ärgerlich, aber keine große Sache, denn ich hatte neben dem 90W Netzteil auch noch ein 65W Reisenetzteil für meinen Thinkpad, so dass ich problemlos weiterarbeiten konnte.

Eigentlich wollte ich das defekte Netzteil aufschrauben und mal drinnen nach dem Fehler schauen, aber heutige Laptopnetzteile kann man nicht aufschrauben, denn die Gehäuse sind verklebt oder Ultraschallverschweißt. Also wäre nur Aufschneiden mit dem Multimaster gegangen und darauf hatte ich keine Lust. Ohnehin habe ich als langjähriger Thinkpad Fan ein Sammelsurium ausrangierter Netzteile rumliegen, die ich nach der Entsorgung der alten Laptops behalten hatte. Die nicht ganz so antiken darunter haben auch, wie die aktuelle Generation, 20V Spannung. Nur hat Lenovo ca. 2013 mal wieder den Stecker gewechselt. Früher war er rund, heute schaut er aus wie ein USB-Stecker. Aber das sollte sich doch umlöten lassen - oder? Also zunächstmal den neuen Stecker genauer anschauen. Außen Metall, dann gelbe Isolation. Innen dann Metall und ein kleiner Pin in der Mitte. Pin? Der ist bei dem geringen Durchmesser doch nie und nimmer für den Strom gedacht - oder? Also googeln:  Das Thinkwiki hat hier erhellendes zu berichten: Dieser Pin ist über einen Widersatand mit der Außenseite des Steckers (GND) verbunden. Der Wert des Widerstands signalisert dem Laptop dann wieviel Wums das Netzteil hat und wieviel Strom er sich entsprechend beim Laden genehmigen darf.

     Netzteillleistung   Widerstand
     45 W                120 Ω 
     65 W                280 Ω 
     90 W                550 Ω 
     135 W                 1 kΩ 
     170 W               1.9 kΩ

Mein Netzteil hatte 90W und sollte also einen Widerstand von 550Ω zwischen Außen und den Signal-Pin haben und eine schnelle Nachmessung ergab, dass das auch der Fall ist. In der Bastelkiste lag noch ein altes 90W Netzteil mit dem früheren Rundstecker Also altes Kabel ab und schon steht der Empfänger bereit  zur Kabeltransplantation:
Das Kabel am defekten Netzteil ebenfall kappen und dann kann es losgehen. Aber erstmal: muss ich nun eigentlich einen Widerstand raussuchen? 550Ω hab ich nicht, denn ich hab nur eine E24 Reihe vorrätig - ob 560Ω auch OK sind? Und was ist die Toleranz? Aber erstmal Kabel abisolieren und nachmessen, welcher Teil des Kabels eigentlich mit was verbunden ist. Oha - da sind nur 2 Adern. Der Widerstand steckt wohl im Stecker - das wäre praktisch, denn dann muss ich mich garnicht darum kümmern. Also mal nachmessen:


OK - passt. Also keinen Widerstand suchen :-)
Lötkolben anwärmen, Schrumpfschlauch zurechlegen und los geht's:


Nicht sonderlich schön, aber tut, was es soll. Perfekt.


Donnerstag, 7. Januar 2016

Batteriefressendes Luxmeter

Vor einer ganzen Weile hatte ich mal von meinem Luxmeter berichtet und mich damals mit dem Protokoll der USB Schnittstelle befasst. Heute hab ich das Ding mal wieder aus der Versenkung geholt, weil ich finde, dass es in unserem Wohnzimmer viel zu dunkel ist und ich überlege, was ich an der Beleuchtung ändern kann/soll. Leider konnte ich nicht sofort losmessen, weil die blöde Batterie wieder mal leer war. Mir war schon früher aufgefallen, dass das Ding auch im ausgeschalteten Zustand  wie verrückt Batterien frisst – 9V natürlich, so dass man auch garantiert nie eine Ersatzbatterie zur Hand hat. Grumpf!

Abhilfe

Wieso haben moderne Messgeräte eigentlich keinen richtigen Ein-/Ausschalter mehr und sind also immer auf Standby? Also das muss sich ändern! Zunächst habe ich dann mal das Gerät aufgeschraubt:

Im Innern tut ein TI MSP430 Microcontroller seinen Dienst. Auch ist der JTAG Header nicht zu übersehen, sowie ein Feld von 6 unbestückten Kontakten, die vielleicht ein ICSP Header sein könnten. Aber darum geht es heute nicht und da das Gerät einen USB-Port hat müssen wir uns auch keinen Zugang schaffen.

Zum Glück ist die Platine sehr flach und so habe ich massenweise Platz im Gehäuse, um einen Schalter unterzubringen. Also zunächst mal ein rechteckiges Loch geeigneter Größe (19x13mm) in die untere Gehäuseschale machen. Vorbohren (Standbohrmaschine!) und dann weiter mit der Feile und einem scharfen Messer. Langsam voranschreiten, damit es nicht zu groß wird, immer wieder messen (Messschieber) und am Ende entgraten und kurz mit Heißluft drüber, damit es schöner aussieht:

Schalter rein, eine Verlängerung in die Zuleitung zum Batterieclip einschleifen und schön mit Schrumpfschlauch isolieren und an den Schalter anlöten – fertig:
Und es funktioniert sogar noch ;-)

So - ich hoffe, damit ist das Problem ein für alle Mal erledigt. Und nein, dass ist nicht die eingangs bemängelte Lichtstärke im Wohnzimmer...

Dienstag, 5. Januar 2016

SSD Caddy für DVD-Bay

Im vorigen Post hatte ich von meinem neuen Server berichtet. Wer genau auf die Bilder geachtet hat konnte sehen, dass meine SSD für das Betriebssystem mehr oder weniger lose im Slot lag, der eigentlich für ein DVD-Laufwerk gedacht war. Nun hat mein Server kein optisches Laufwerk - wozu auch? D.h. dieser Slot bietet sich also an, um die SSD unterzubringen.

Nun ist eine SSD leicht und unempfindlich, d.h. ich könnte sie einfach mit etwas Klebeband befestigen, aber das fand ich stillos. Ob HP passende Trays anbietet entzieht sich meiner Kenntnis - jedenfalls hab ich keine gefunden. Also als nächstes mal auf Amazon schauen. In der Tat findet man mit geeigneten Suchbegriffen ("SSD Caddy") Trays im vermeintlich richtigen Format (9.5mm Höhe) inklusive SATA-Adapter. Gekauft.

Zwei verschiedene Produkte habe ich ausprobiert. Keines davon war ideal. Sie haben in den Slot gepasst und die SSD ging auch rein, aber in keinem Fall passte die dazugehörige Frontblende wirklich richtig und die Originalblende konnte man nicht mehr montieren, wenn der Caddy im Schacht steckt. Das sieht Sch**** aus. Ja ich weiß - sieht ja keiner, steht eh im Keller bla bla bla. Sagte ich schon, dass ich was stilvolles wollte? ;-)

Also anders. Wozu habe ich eigentlich einen 3D-Drucker? Zunächst habe ich mal die einschlägigen Modell-Repositories durchsucht. Da gab es diverse Adapter für die HDD-Bays, aber nix für den ODD-Schacht, das meinen Vorstellungen genügt hätte. Also selber entwerfen.

Erstmal maßnehmen

Vor das Objekt hat die Natur das Konstruieren gesetzt und davor wiederum das Vermessen der Lage. Also Messschieber und Lineal geholt und das Fach vermessen. Kling trivial, ist es aber nicht so ganz, denn wer sich die Situation genauer ansieht, erblickt diverse Haken, Klammern etc. und das ist schwierig korrekt zu vermessen:
Nach einigem Gefummel hatte ich aber alle relevanten Zahlen auf Papier und eine grobe Zeichnung hingepfuscht.

Design

Nun musste das Gekritzel also nur noch in ein echtes Design übersetzt werden und so stellte sich als nächstes die Frage, welches Werkzeug ich verwenden will. Die meisten Leute nehmen ein traditionelles CAD-Programm. AutoCAD (wenn man das Geld dafür ausgeben will), Sketchup oder FreeCAD oder sowas. Als Opensource Jünger will ich natürlich was, das unter LINUX läuft. Und OSS sollte es idealerweise auch sein. Also FreeCAD? Nein - ich bin kein Zeichner, ich bin ein Coding-Guy. Und auch für diese Spezies gibt es was schönes: OpenSCAD. Das ist eine simple Programmierumgebung zum Design von 3D Modellen. Nicht super perfekt, aber schon sehr benutzbar. Leider nicht Python basiert, obwohl es mit SolidPython immerhin inzwischen etwas in der Richtung gibt. Kürzlich habe ich was entdeckt, das mächtiger, pythoniger und ausgefeilter erscheint (CADquery), aber das hab ich noch nie benutzt und es erscheint mir einigermaßen komplex und in den normalen Debian Repositories ist es auch nicht. Also was soll's – diesmal verwenden wir OpenSCAD.

Nach einigem Herumprobieren hatte ich eine erste Version des Caddys fertig:

v0.1
..., aber wie es immer so ist hatte ich dann doch eine essentielle Aussparung (für einen Kabel-Clip) übersehen und so passte das Ding nicht in den Slot. Außerdem hatte ich die hinteren Aussparungen zu knapp bemessen, so dass die Slot-Blende nicht ein- und ausrasten konnte.

In der zweiten Iteration passte es ganz gut in den Slot und hat auch noch eine abgeschrägte Rückseite bekommen, damit die Schachtblende besser draufpasst:

v0.2
..., aber wo ich schonmal dabei war hatte ich einen zusätzlichen Clip hinzugefügt, damit das Tray in den vorgesehenen Mechanismus einrasten kann – und diesen zu weit links plaziert.  Zudem war die Aussparung für den Kabel-Clip zu kurz.

Die dritte Generation hatte dieses Problem nicht mehr:
v0.3
Leider passte die blöde Blende immer noch nicht, sobald das Ganze in Slot steckt - irgendwie zuwenig Platz. Grumpf!

Version 4 (naja eigentlich 0.4 in meiner Versionierung, denn so verblendet bin ich nun wieder nicht) habe ich dann von grundauf umdesigned:
v0.4
weniger massiv und teils mit großen runden Löchern perforiert, um Material und v.a. Druckzeit zu sparen. Sah viel besser aus, passt ganz gut in den Slot, hatte aber immernoch ein Problem, wenn man die Slotblende zum Schluss aufstecken wollte. Offenbar ist die SSD noch zu nah am hinteren Ende.

Also nun Version 0.5: SSD etwas weiter nach vorne verschoben, damit die Abdeckung draufgeht, ein bisschen an den Maßen gefeilt, Seitenführungen noch etwas gekürzt, noch ein paar mehr Löcher in die Grundplatte gemacht und zuguterletzt noch Löcher für Befestigungsschrauben hinzugefügt, obwohl ich die wohl nicht verwenden werde, denn die SSD passt straff in die Aussparung. Wenn man aber stattdessen eine Festplatte nimmt ist festschrauben vielleicht sinnvoll...

v0.5

An diesem Punkt war ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Und so sieht das dann in echt aus:




Und damit der nächste, der sowas haben will nicht wieder bei Null anfängt habe ich Source Code und STL-File auf youmagine deponiert. Nun ist die Hardware-Seite des Servers also komplett zu meiner Zufriedenheit und ich werde mich im nächsten Post dann der OS Installation zuwenden.

 

Was habe ich gelernt?

  • openscad ist ein nettes tool, allerdings fühlt es sich nicht ganz ausgereift an und ist stinklangsam - selbst bei so einem simplen Objekt
  • Planen ist gut, rapid Prototyping ist besser. Die Fehler, die ich im Prozess gemacht habe, hätte man natürlich durch gründlichere Planung, besseres Ausmessen etc. finden können - aber drucken und ausprobieren ist exrem effektiv und effizient. Es ist einfach etwas ganz Anderes, einen Prototypen in der Hand zu haben, als sich theoretische Gedanken zu machen. OK - die Druckzeiten sind bei einem Heim-3D-Drucker happig (viele Stunden), aber wenn man v.a. Abendbastler ist, dann druckt man am besten über Nacht und kann am nächsten Tag testen und weitermachen.
  • Eventuell hätte ich mir was gespart, wenn ich am Anfang eine super simple Schablone aus Karton geschnitten hätte, um die teils unpräzisen Messwerte für die Lage der diversen Haken und Hindernisse zu prüfen.
  • 3D-Drucken macht Spaß! Ok - dass wusste ich schon ...

Dienstag, 29. Dezember 2015

Neuer Server

Ich hatte einen Server. Naja eigentlich war es kein Server, sondern ein stinknormaler PC, auf dem ich ein Debian LINUX laufen hatte. Er diente mir im Wesentlichen als Fileserver – z.B. um meine Daten vom Laptop zu synchonisieren. Kürzlich hat er den Geist aufgegeben, was mich sehr verdross! Eine Weile habe ich meine Daten halt mit der USB Platte gesichert, die zuvor das Server-Backup war, aber so richtig glücklich war ich damit nicht. Ein Sync ist schöner und auch die Möglichkeit sich von außen einzuloggen vermisse ich schmerzlich.

Der Neue

Also musste ein neuer Server her. Und so hab ich recherchiert. Zunächst dachte ich an eine NAS-Box, z.B. QNAP TS543 oder Synology DS415 oder sowas. Das sind schöne Geräte, aber halt keine so richtigen Server in dem Sinne, dass ich das Betriebssystem komplett unter Kontrolle hätte. Ja - das kann man hacken und so, aber eigentlich will ich nur einen Server und kein riesen Projekt daraus machen. Und so habe ich angefangen "richtige" Server anzuschauen und bin dabei auf eine sehr schöne Alternative gestoßen, die ich mir dann besorgt habe: HP Proliant Microserver Gen8. Dazu zwei WD-Red Server Platten mit je 4TB und eine 128GB SSD als Systemplatte. Hier mal einige Impressionen:




 


Hardware

Zunächst mal das Gerät erkunden. Der Server ist ein hübsches Würfelchen von ca. 25cm Kantenläge. Die Kiste hat vier Festplatten Bays, die von vorne zugänglich sind und einen RAID Controller (für den es aber leider keine Treiber in Debian gibt) jede Menge USB-2.0 und USB-3.0 Buchsen, 2 vorne und eine direkt auf dem Motherboard - davon später mehr. Ein VGA-Port ist noch da und drei Gigabit Ethernet Ports. Die Harddisk Bays verschwinden hinter einer netten silbernen Klappe und so sieht das Ganze dann ausgesprochen aufgeräumt aus. Beim Aufschrauben merkt man sofort - das ist ein Profigerät und kein Spielzeug: Alles fühlt sich stabil an, hinter der Frontklappe findet sich ein Torx-Schlüssel zum Lösen der Geäuseschrauben, die dann zur größeren Bequemlichkeit auch noch große Plastik-Griffchen haben. Deckel ist schnell ab und das Innenleben ist durchaus eng gepackt, wirkt aber sehr aufgeräumt.
Die Rechnerei übernimmt ein Celeron G1610T Prozessor mit 2.3 GHz und zwei Cores. Kann man aufrüsten, muss man aber nicht (und so zieht er nicht so irre viel Strom). 2GB RAM waren schon dabei, 8 weitere habe ich noch nachgerüstet und so denke ich, dass die Kiste meinen Bedürfnissen problemlos gerecht werden sollte.
 

iLO – intregrated Lights Out

Woran man dann wirklich merkt, dass man kein Desktop System, sondern einen richtiger Server vor sich hat ist der iLO Port. Das ist einer der drei Ethernet Ports, der ausschließlich der Fernwartung gewidmet ist. Beim Booten zeigt der Server an, welche IP dieses Interface hat und man kann sich dann via https (oder ssh) verbinden:

Sobald man eingeloggt ist, erschließt sich dann die Wunderwelt der Server-Fernwartung. Hier z.B. eine simple Systemübersicht:
Und wenn ich wissen will, wie warm es im Gehäuse ist voila:
iLO bietet aber noch viel mehr. Z.B. eine virtuelle Textkonsole, die Möglichkeit virtuelle Medien zu mounten (z.B. ISO-images) oder eine recht umfassende Konfigurierbarkeit mittels Scripting und XML Files. Das klingt nach einer schönen Spielwiese. Für mich natürlich nur Spaß , aber wenn man eine Halle voller Server-Racks hat sind das lebenswichtige Funktionen.

Bevor es richtig losgeht habe ich noch das BIOS aud den neuesten Stand gebracht und mir eine Million Handbücher von der HP-Seite geladen. Das nenne ich mal vernünftige Doku.

Über das iLO könnte man alleine schon zig Blog Einträge schreiben. Es hat eine Userverwaltung, man kann SSH Keys hinterlegen, das Event-log zeichnet alles Wissenswerte auf, ich kann den Server remote starten, reseten und herunterfahren, auch wenn es das OS nicht will, oder hängt. Zudem erfahre ich, wie es der CPU, den Platten und so ziemlich allen anderen Gerätschaften gerade so geht. Auch Firmware Upgrades gehen über das Web Interface und falls das mal in die Hose gehen sollte, verfügt das Gerät über ein redundantes ROM, so dass die letzte BIOS Version für den Notfall noch da ist. Hätte ich mehrere solche Server könnte ich das ganze Rudel in einem Rutsch upgraden oder herunterfahren, denn die iLOs reden miteinander (iLO Federation)

-> Nerd Heaven!

Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 11. Juni 2015

Tischbohrmaschine

Prolog

Manchmal muss ein Mann einfach ein Loch bohren. Nun habe ich nicht direkt Mangel an Bohrinstrumenten: Akkubohrer, Schlagbohrmaschine, Bohrhammer, Nasenbohrer, Proxxon-Mini-Bohrschleifer – alles da. Was die aber alle nicht vernünftig können, ist ein echt senkrechtes Loch z.B. in Metall oder so. Und das nervt, weil man es doch gelegentlich haben will, wenn man mal wieder irgendwas kleines bastelt.

Pläne

Die Lösung ist offensichtlich: ich brauche eine Standbohrmaschine. Also auf ins allwissende Weltweite Netz und die einschlägigen Foren studieren, was man so kaufen kann. Aha - also auf keinen Fall aus dem Baumarkt, das ist alles lebensgefährlicher Schrott, der eigentlich gar keine Löcher bohrt, sondern nur Krater erzeugt –  hm. Optimum und Quantum oder Bernardo werden genannt - das sei zwar eines echten Handwerkers auch nicht würdig, hätte aber nicht die sofortige Exkommunikation aus der Maker-Gemeinde zur Folge. Nur welche? Und was braucht man noch so? Kraftstrom muss es unbedingt sein erfahre ich, weil alles andere unzumutbar sei. Aber ganz eigentlich sind Quantum/Optimum natürlich auch nur Chinaschrott mit veredelter Fassade – sagen jedenfalls die Ständerbohrmaschinen-Götter in den Foren und verheimlichen nicht ihre Verachtung für die Qualitätsagnostiker.

Ad astra

Also doch lieber ein alte Industriemaschine? Die halten ewig, und man muss sich auch nicht mit diesen fatalen Fehljustierungen um mehrere Nanometer herumärgern. Oder gleich eine Neue? Da weiß man was man hat! Also auf zu den einschlägigen Werkzeugversorgern im Netz.

Als ich dann mit Hilfe von Riechsalz wieder aus meiner Ohnmacht erwachte, in die ich angesichts der Preise gefallen war, wurde mir klar: die spinnen alle! Ich will nur mal ein Loch bohren und das soll halbwegs grade sein, jedenfalls besser, als ich es freihändig hinkriege und mich dafür nicht bis in die dritte Generation verschulden.

Katharsis

Also in den Baumarkt! Pah!

Dort fand ich eine Rotwerk RB18 vario. Die ist garantiert aus China, läuft mit nur 230V (die ich im Gegensatz zu Kraftstrom tatsächlich im Keller liegen habe) war verhältnismäßig billig und fühlte sich so einigermaßen benutzbar an. Also gekauft.

Auf dem Boden der Realität

Zuhause hab ich sie dann aufgebaut. Oder besser: ich wollte sie aufbauen, was sich aber als schwierig erwies, weil sich die blöden Schrauben, mit denen man die Muffe für die Säule an der Fußplatte befestigen soll einfach nicht tief genug einschrauben ließen. Was ist da los? Offenbar hat der unterbezahlte Chinese in der Produktion keine Lust gehabt, die Gewinde bis ganz runter zu schneiden - jedenfalls waren die nicht lang genug. Grumpf!

Da war ich kurz davor, den ganzen Kram wieder einzupacken, dem Baumarktpersonal in pathetischer Geste vor die Füße zu werfen und eine Maschine im Gegenwert von 10 Jahresgehältern zu besorgen. Aber dann erinnerte ich mich daran, wie sauschwer das Ding ist und wie wenig Lust ich hatte, zum vierten Mal an diesem Tag (ist eine andere Geschichte) zu  dem verfluchten Baumark zu fahren. Also hab ich ihr eine zweite Chance gegeben und die vermaledeiten Gewinde selber nachgeschnitten – und schon klappte es auch mit den Schrauben und die Säule sitzt nun schön fest:



Die restliche Montage war relativ simpel und zu einem Probeloch bin ich ebenfalls noch gekommen. Und was soll ich sagen - es war ziemlich – äh – lochförmig. Also genau das, was ich haben wollte. Zugegeben – der Tiefenanschlag, den die Erbauer erdacht haben, ist ein schlechter Witz aber ich denke für ein paar Löcher in Platinen oder Frontplatten und anderem Heimbastlerkram wird die Maschine dennoch ausreichen. Sozusagen die Rigol unter den Tischbohrmaschinen: Unglamurös, mäßig schön, aber gut genug für was ich momentan brauche und nicht teuer.





Sollte ich eines Tages beschließen, in die semiprofessionelle Metallbearbeitung einzusteigen kann ich mir immer noch was beeindruckenderes suchen...